Bremer Innovation setzt Maßstäbe

Gastbeitrag im Weserreport von Professor Di Martino

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Minimalinvasive Chirurgie auch für Cochlea-Implantate

Im Jahr 2015 entwickelte das DIAKO Krankenhaus Bremen ein neuartiges chirurgisches Zugangsverfahren in der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde für Cochlea-Implantate: den sogenannten „Bremer Zugang“. Seither wurden über 150 Patientinnen und Patienten erfolgreich unter Anwendung dieser Technik operiert.

„Mein Ziel war es, ein schonendes chirurgisches Verfahren zu etablieren, das auch ohne hochspezialisierte robotische Systeme vergleichbare Resultate liefert – bei gleichzeitig deutlich reduziertem Schnitt“, erläutert Professor Dr. Ercole Di Martino, Chefarzt der HNO-Klinik am DIAKO Bremen.

Durch die systematische Analyse etablierter Verfahren und die gezielte Kombination deren Vorteile entwickelte er schrittweise eine eigenständige Technik. „Auf diese Weise entstand der Bremer Zugang, den wir seit 2015 kontinuierlich weiterentwickeln“, so Di Martino. Die CI-Operationen werden bis heute durch ihn persönlich durchgeführt.

Minimalinvasiv und effizient

Das Verfahren zeichnet sich durch hohe Präzision aus: Ein Hautschnitt von lediglich 2,5 cm retroaurikulär sowie eine knöcherne Trepanation mit einer Fläche von nur 1,2 cm² sind ausreichend. „Dies führt zu geringeren postoperativen Schmerzen und einer schnelleren Rekonvaleszenz im Vergleich zu konventionellen oder robotisch assistierten Verfahren“, erklärt der Chefarzt. Auch die Operationszeit wird deutlich verkürzt: Anstelle von über zwei Stunden beträgt die durchschnittliche OP-Dauer lediglich 82 Minuten.

Professor Di Martino war europaweit der erste, der ein Cochlea-Implantat über diesen minimalinvasiven Zugang implantierte – möglicherweise sogar weltweit. „In der Fachliteratur existieren hierzu keine fundierten Berichte, lediglich zwei nicht näher dokumentierte Fallbeispiele aus China. Es ist daher gut möglich, dass wir in Bremen eine weltweite Premiere realisiert haben.“

Internationale Resonanz

Die Technik wurde in Fachjournalen publiziert und auf internationalen Kongressen präsentiert. „Unsere Untersuchungen belegen, dass das Verfahren mindestens die gleiche Sicherheit bietet wie konventionelle Techniken – bei deutlich geringerer Belastung für die Patientinnen und Patienten“, resümiert Di Martino.

Kleiner Schnitt, große Wirkung

Der Bremer Zugang ist auch bei pädiatrischen Patientinnen und Patienten anwendbar. „Da die Anatomie des Innenohrs unabhängig vom Alter gleich groß ist, lässt sich die Technik ohne Modifikation einsetzen – große Hautschnitte sind somit auch bei Kindern entbehrlich“, so der Chefarzt.

Eine technische Herausforderung bleibt jedoch die Größe der Implantate. „Derzeit ist eine Miniaturisierung unter drei Zentimeter nicht möglich. Erst mit der Entwicklung kompakterer Systeme durch die Industrie ließe sich der Zugang noch weiter verkleinern.“

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