Gemeinsam gegen Sepsis

DIAKO Krankenhaus Bremen etabliert bundesweites Qualitätssicherungsverfahren zur besseren Versorgung bei Blutvergiftung

| Foto(s): Regina Bukowski

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Sepsis früh erkennen und Leben retten

Das DIAKO Krankenhaus Bremen setzt ab 2026 ein neues bundesweit verpflichtendes Qualitätssicherungsverfahren zur Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Sepsis um. Ziel des Programms ist es, die Früherkennung und Behandlung der lebensbedrohlichen Erkrankung systematisch zu verbessern. Sepsis, umgangssprachlich auch Blutvergiftung genannt, ist in Deutschland die dritthäufigste Todesursache. Bundesweit liegt die Sterblichkeit bei rund 40 Prozent.

„Sepsis ist ein medizinischer Notfall, bei dem jede Stunde zählt. Je früher wir die Erkrankung erkennen und gezielt behandeln, desto größer sind die Überlebenschancen für die Patientinnen und Patienten“, sagt Dr. med. Eloise Müller-Schulte, Oberärztin in der Stabsstelle Medizinische Mikrobiologie & Antibiotic Stewardship am DIAKO Krankenhaus Bremen.

Das Verfahren wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss initiiert und gilt verpflichtend für alle Kliniken in Deutschland. Es läuft über einen Zeitraum von drei Jahren. Während das Jahr 2026 dem Aufbau und der Etablierung der Strukturen dient, greifen ab 2027 Sanktionen, wenn definierte Qualitätskriterien nicht erfüllt werden. Die Überprüfung erfolgt durch das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG). Damit entsteht bundesweit ein deutlicher Handlungsdruck, die Sepsisversorgung verbindlich und nach einheitlichen Standards umzusetzen.

Unspezifische Symptome als besondere Herausforderung

Sepsis ist medizinisch besonders anspruchsvoll, weil sich die Symptome häufig unspezifisch zeigen. Beschwerden wie Durchfall, Fieber, beschleunigte Atmung oder Kreislaufprobleme können auch andere Ursachen haben. Genau das macht die Erkrankung so gefährlich. Anders als bei Herzinfarkt oder Schlaganfall, bei denen die Symptome oft klar erkennbar sind, kann Sepsis sehr unterschiedlich verlaufen und alle Organe gleichzeitig betreffen.

„Die große Herausforderung bei Sepsis liegt in den oft unspezifischen Symptomen. Genau deshalb brauchen wir klare, strukturierte Abläufe, die Pflege sowie Ärztinnen und Ärzte frühzeitig alarmieren und zusammenführen“, erklärt Dr. med. Eloise Müller-Schulte.

Auslöser einer Sepsis können unterschiedliche Infektionen sein. Häufige Ursachen sind Lungenentzündungen, infizierte Zugänge oder im Krankenhaus erworbene Infektionen. Auch kleine Wunden können bei einem hochvirulenten Erreger oder einem geschwächten Immunsystem eine schwere systemische Reaktion auslösen. Wenn der Körper nicht mehr angemessen auf die Infektion reagiert, geraten mehrere Organe in Mitleidenschaft. Es kommt zu einem lebensbedrohlichen Multiorganversagen. „Viele Menschen unterschätzen, wie gefährlich Infektionen sein können. Selbst eine kleine Wunde kann den Ausgangspunkt für eine lebensbedrohliche Erkrankung bilden, wenn der Körper die Erreger nicht mehr kontrollieren kann und wichtige Organe versagen“, sagt Marina Zdravkovic, Leiterin der Intensivstation am DIAKO.

Systematik für mehr Sicherheit im Alltag

Ziel des Qualitätssicherungsverfahrens ist es, mehr Struktur und Verlässlichkeit in die Versorgung zu bringen. Am DIAKO Krankenhaus Bremen wurden dafür interne Leitlinien, Handlungsempfehlungen und Dokumente erarbeitet, die zentral im digitalen System Curator hinterlegt sind. Dazu zählen unter anderem eine Antibiotika-Leitlinie für Sepsis sowie klare Vorgehensweisen bei einem entsprechenden Verdacht.

„Das neue Qualitätssicherungsverfahren bringt dringend notwendige Systematik in die Sepsisversorgung. Einheitliche Scores, klare Entscheidungswege und hinterlegte Leitlinien geben allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Sicherheit im Handeln“, betont Dr. med. Eloise Müller-Schulte.

Kern des Verfahrens ist ein mehrstufiges Screening, das perspektivisch bei allen Patientinnen und Patienten mindestens einmal täglich durchgeführt wird. In der Pflege werden dabei standardisierte Vitalparameter wie Atemfrequenz, Blutdruck oder Bewusstseinslage erfasst. Diese fließen in den NEWS2-Score ein, der ein geringes, mittleres oder hohes Risiko für eine Sepsis anzeigt. Bei auffälligen Werten wird frühzeitig eine Ärztin oder ein Arzt eingebunden, um das Vorliegen einer Infektion zu prüfen.

Schnelle Diagnostik und gezielte Therapie

Ergibt sich ein konkreter Verdacht, folgt die ärztliche Bewertung mithilfe des SOFA-Scores. Dieser basiert unter anderem auf Blutuntersuchungen und zeigt, ob Organe wie Niere oder Leber bereits beeinträchtigt sind. Sepsis liegt vor, wenn der Körper inadäquat auf eine Infektion reagiert und mehrere Organsysteme betroffen sind. Die strukturierte Abfolge ermöglicht es, rasch eine Diagnose zu stellen und unmittelbar mit der Therapie zu beginnen.

„Eine frühzeitige, leitliniengerechte Antibiotikatherapie ist ein zentraler Baustein der Sepsisbehandlung. Antibiotic Stewardship hilft dabei, schnell das richtige Medikament in der richtigen Dosierung einzusetzen“, so Dr. med. Eloise Müller-Schulte.

Sensibilisierung im gesamten Haus

Die Einführung des Qualitätssicherungsverfahrens ist mit einem hohen organisatorischen Aufwand verbunden. Im DIAKO Krankenhaus Bremen arbeitet dazu eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe aus Qualitätsmanagement, ABS-Team, Apotheke, Labor, Hygiene, Pflege, Prozessmanagement, Medizin-Controlling und IT eng zusammen. Ziel ist es, Sepsis stärker ins Bewusstsein aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu rücken und Handlungssicherheit im Alltag zu schaffen.

Gestartet wird mit dem neuen Verfahren zunächst in der Klinik für Hämatologie und Onkologie sowie auf der Intensivstation. In weiteren Schritten wird die strukturierte Sepsisversorgung auf zusätzliche Kliniken ausgeweitet. So soll langfristig die Versorgungsqualität für Patientinnen und Patienten mit Sepsis im gesamten Haus nachhaltig verbessert werden.

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