Im Leben beeinflussen oft viele Faktoren unsere Entscheidungen – im Fall von Masuma Rasuli war es ein besonders einschneidendes Erlebnis, das sie dazu bewegte, sich für eine Ausbildung in der Pflege zu entscheiden: Ein Terroranschlag der Vereinigung „Islamischer Staat“ auf eine Kabuler Geburtsklinik im Mai 2020. „Die Terroristen feuerten auf Mütter, Neugeborene und Krankenschwestern und töteten 24 Menschen. Da ich damals in Kabul, der Hauptstadt von Afghanistan, lebte, bekam ich alles mit. Auch, dass die Pflegekräfte selbst in dieser Extremsituation nicht aufhörten, ihre Patienten zu versorgen“, schreibt sie in ihrem bewegenden Text über ihren Weg in die Pflege und nach Bremen, für den sie nun den vocatium Sonderpreis erhalten hat. Die gebürtige Afghanin ist mittlerweile im zweiten Lehrjahr der Ausbildung zur Pflegefachfrau am DIAKO. Wie sehr ihr diese Ausbildung gefällt, schreibt sie in ihrem Text, der mit dem deutlichen Fazit endet: „Vor die Wahl gestellt, würde ich mich sofort wieder dafür entscheiden.“ Und das, obwohl der Weg dort- hin für sie nicht leicht war. In Kabul arbeitete sie in der IT-Abteilung einer Organisation, die sich für Frauenrechte einsetzt – zum Beispiel durch einen Internetclub für Frauen, in dem recherchiert, Englisch gelernt und sich mit anderen Frauen ausgetauscht werden darf. Denn in Kabul war es bis dahin nicht üblich, dass Frauen das Internet nutzen.
Online-Bewerbungsgespräch für die Ausbildung
Nach der Machtübernahme der Taliban im Sommer 2021 floh Masuma Rasuli mit einer Freundin zusammen nach Pakistan. „Wir hatten Angst vor dem frauenfeindlichen Regime. Frauen, die sich für Frauenrechte einsetzen wurden von den Taliban gesucht“, erklärt sie. Die Flucht war beschwerlich – insbesondere die zwei Tage und Nächte an der Grenze, wo sie mit Tausenden Geflüchteten warten musste. „Das war das schlimmste“, betont Rasuli. In Pakistan lebte sie zunächst in einem Studentenwohnheim und später bei einer afghanischen Familie. Während dieser Zeit informierte sie sich ausführlich über die Pflegeausbildung in Deutschland, lernte mit Hilfe von YouTube Deutsch und suchte nach einer Ausbildungsstelle. Ihr Bruder lebte zu diesem Zeitpunkt bereits in Bremen und als sich das DIAKO bei ihr für ein Online-Bewerbungsgespräch meldete, freute sie sich sehr. Nach dem Nachweis ihrer B2-Sprachkenntnisse durch einen Sprachkurs und weiteren Bürokratischen Hürden, die Markus Janßen, Leitung im Bereich Pflegeausbildung, zu meistern weiß, konnte sie schließlich am 1. April 2023 ihre Ausbildung im DIAKO beginnen.
Viel Unterstützung vom DIAKO
„Der Anfang war schwer für mich – die schnelle deutsche Sprache und die neue Kultur musste ich erst einmal kennenlernen“, so die Auszubildende. Aber die Kolleginnen und Kollegen seien von Anfang an sehr hilfsbereit gewesen. „Ich habe so viel Unterstützung von Markus Janßen und dem Bremer Zentrum für Pflegebildung bekommen. Im DIAKO sind alle sehr nett“, betont Rasuli dankbar. Sie hat sich inzwischen so in Bremen eingelebt und viele Freunde gefunden, so dass sie hier nicht mehr weg möchte – und das obwohl die Amerikanische Botschaft sich in der Zwischenzeit sogar um ein Visum für sie kümmern wollte. „Ich habe es abgelehnt, ich möchte in Deutschland bleiben. Ich liebe Bremen.“ Und nicht nur das – sie liebt auch ihre Ausbildung. In ihrem früheren Beruf in der IT hat ihr der Kontakt zu Menschen gefehlt. „Ich wollte immer helfen und im DIAKO kann ich das endlich.“ Und auch in ihrer Freizeit engagiert sie sich gerne – sie hilft gerade sieben Schülerinnen in Afghanistan dabei (darunter auch ihre zwei Schwestern), eine Ausbildung in Deutschland zu finden. Diese Unterstützung kann sie zusammen mit einem deutschen Ehepaar anbieten, das im Rahmen ihres Projekts den Schülerinnen Deutschkurse finanziert und bei der Bürokratie hilft. Zwei der Schülerinnen möchten eine Pflegeausbildung machen und Masuma Rasuli hofft, dass sie beide im DIAKO unterbringen kann, denn für sie selbst war das die absolut richtige Entscheidung.